«Feminismus ist mir zu extrem»

Model Taylor Brumann ist seit Mai dieses Jahres offiziell Playmate: Die Schweizerin mit amerikanisch-schwedischen Wurzeln über Männer, Frauen und Anmache im Ausgang.

Veröffentlicht in Die Weltwoche, 21. Juli 2021.

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Bild: Roman Zeller.

Weltwoche: Sie sind Playmate, Model und, wie Sie es nennen, Onlyfans-Content-Kreatorin. Frau Brumann, was heisst das? Wie verdienen Sie Ihr Geld?

Brumann: Onlyfans ist wie Instagram, nur kann man die Bilder nicht gratis anschauen. Künstler werden für ihre Arbeit bezahlt. Klar, es gibt viele, die Pornos darauf drehen, aber ich zeige mein Privatleben, meinen Alltag. Meine Fans kriegen einen Blick hinter die Fassade.

Weltwoche: Einfach sehr freizügig, oder?

Brumann: Ja, aber nicht nur. Und ich teile auch nur Bilder, hinter denen ich stehen kann.

Weltwoche: Wie lukrativ ist dieses Geschäft?

Brumann: Ich kann gut davon leben. Es kommt aber darauf an, wie viel ich zeige: Je weniger, desto weniger verdiene ich – logisch. Grundsätzlich gilt: Je intimer, desto grösser ist der Zuspruch.

Weltwoche: Wissen Sie, wer Ihre Fans sind?

Brumann: Fast nur Männer. Viele sogar aus meinem Umfeld, aber vom Typ her gemischt. Sie eint der Gedanke, mehr und immer mehr von Taylor sehen zu wollen.

Weltwoche: Gibt es den klassischen Perversling?

Brumann: Ja, aber ich spüre schnell, wer mir nicht passt, und blockiere sofort. Zum Glück sind die meisten meiner Follower respektvoll. Ich ziehe aber auch klar meine Grenzen.

Weltwoche: Was würden Sie niemals zeigen?

Brumann: Meine Papaya bleibt tabu, sie gehört mir. Ich finde Nacktsein überhaupt nicht schlimm, solange es ästhetisch und schön ist. Im Minirock die Beine zu spreizen, hat nichts mit Ästhetik zu tun.

Weltwoche: Welches Klischee nervt Sie, als Aktmodell, am meisten?

Brumann: Ich bin Model, nicht ausschliesslich Aktmodell. Aber generell stört mich, dass alle das Gefühl haben, wir seien dumm und oberflächlich.

Weltwoche: Erzählen Sie aus Ihrer Kindheit. Wie sind Sie aufgewachsen?

Brumann: Ich wurde gehänselt, weil ich einen grossen Kopf hatte, mit einer hohen Stirn. Mein Selbstwertgefühl war im Keller. Das änderte sich, als ich mit zwölf von Basel nach Schweden zog.

Weltwoche: Was wäre aus Ihnen geworden, wenn nicht Model?

Brumann: Nach der Matur machte ich ein Praktikum in einem Operationssaal. Womöglich hätte ich Medizin studiert. Dann, mit achtzehn Jahren, verfolgte mich aber ein Typ in Zürich, ein Model-Scout. Er fragte, ob ich Interesse hätte. Diese Anfrage versandete aber. Wenig später kontaktierte mich ein Fotograf, aus dem Nichts, und baute mich auf. Ich merkte, auf Bildern sehe ich viel besser aus, in echt finde ich mich gar nicht so hübsch.

Weltwoche: Sondern?

Brumann: Ich glaube, ich bin Durchschnitt. Ich weiss einfach, wie ich posieren muss.

Weltwoche: Wie kommt jemand, der Durchschnitt ist, in den Playboy?

Brumann: Durch Pascal Heimlicher, den Starfotografen. Er schrieb mich an und fragte, ob ich mir Aktfotografie vorstellen könnte. Seine Anfrage fand ich interessant. Also gingen wir nach Ibiza und shooteten, dann bin ich reingerutscht.

Weltwoche: Faszination Playboy, was ist das für Sie?

Brumann: Jeder kennt den Playboy, er ist Kult und edel.

Weltwoche: Wissen Sie, warum das Männermagazin funktioniert? Das Internet ist ja voll von leichtbekleideten Frauen – alles gratis.

Brumann: Die Fotografen sind top. Der Playboy hat etwas Künstlerisches, es ist ein Spiel mit der Fantasie – sinnlich, feminin, reizvoll. Nackt ist ja nicht gleich nackt: Es gibt viele Frauen, die sehen in Unterwäsche billiger aus als ich splitternackt.

Weltwoche: Wie denken Sie über Schönheit? Was finden Sie schön?

Brumann: Ich achte auf Kleinigkeiten, eine schöne Haut, ein sympathisches Lächeln. Mir geht es um die Ausstrahlung, um das Gesamtpaket, um die Art, wie jemand ist.

Weltwoche: Auf einer Skala von 1 bis 10: Wo würden Sie sich verorten?

Brumann: Wenn ein Blobfisch eine Null wäre und das Victoria’s-Secret-Model Candice Swanepoel eine Zehn, wäre ich eine Sieben.

Weltwoche: Womit sind Sie nicht zufrieden?

Brumann: Mit meinen Zähnen, ich mag mein Lachen nicht, dann kommt mir an der Stirn eine Ader zum Vorschein. Und meine hohe Stirn gefällt mir auch nicht. Ich hätte gerne längere Beine und eine kleinere Taille.

Weltwoche: Wie definieren Sie Weiblichkeit?

Brumann: Sinnlich, gefühlvoll. Für mich geht es nicht um die Form, es geht um ein Gespür für den Körper. Weiblich ist, wer weiss, wie man mit seinen Reizen spielt.

Weltwoche: Was finden Sie am weiblichen Körper am schönsten?

Brumann: Ich mag Décolletés, nicht Brüste, sondern das Schlüsselbein und die Schultern. Und lange, definierte Beine.

Weltwoche: Die Modelbranche ist hocherotisch, aber auch toxisch: Wie schwimmen Sie sorglos in diesem Haifischbecken?

Brumann: Es stimmt, viele Fotografen sind bei der Zusammenarbeit unangenehm. Dann erfinde ich meist irgendwelche Geschichten, die abstossen – dass ich seit Jahren einen Freund habe, zum Beispiel. Und wenn etwas unangebracht ist, bin ich voll direkt.

Weltwoche: Was heisst das? Was haben Sie erlebt?

Brumann: Mit einem Fotografen musste ich im gleichen Bett schlafen. Da spürte ich plötzlich etwas Hartes an meinem Hintern. Ich stand sofort auf und schlief auf dem Sofa. Ich fand, das musste nicht sein. Was ich nicht verstehe: Wenn von mir keinerlei Anziehung da ist, wenn ich überhaupt nicht zurückflirte – dass es dann trotzdem passiert. Wie kann es einen Typen sexuell erregen, wenn es mich ekelt?

Weltwoche: Im Ausgang, so eine Studie, hätten sogar neun von zehn Frauen schon Belästigung erlebt. Sind Sie auch betroffen? Wie schlecht ist die Anmache?

Brumann: Ja, das passiert immer wieder. Die meisten Sprüche sind wirklich schlecht. Viele junge Männer haben überhaupt kein Gespür mehr, wie man mit Frauen redet; das ist plump, asozial, vielfach voll unter der Gürtellinie. Als Frau denke ich mir oft: «O mein Gott!»

Weltwoche: Man spricht dann von «sexuell suggestiven Witzen», von Aufdringlichkeit.

Brumann: Ja, das hasse ich!

Weltwoche: Was überschreitet Ihre Grenzen?

Brumann: Nur schon, wer sagt, er finde mich «geil» – das höre ich oft. Ich meine, man kann sagen, man finde mich eine hübsche Frau. Aber so direkt schleppt man doch keine Frau ab?!

Weltwoche: Was tun Sie, um Belästigungen aus dem Weg zu gehen, um diese zu vermeiden?

Brumann: Ich suche niemals Augenkontakt, schenke niemandem meine Aufmerksamkeit. Ich versuche, Typen gar nicht erst anzuschauen. Ich rede nur mit Freunden und halte mich vorsichtshalber bedeckt. Aber ich finde es schlimm, dass ich überhaupt etwas machen muss. Es gibt ja keinen Grund, mich doof anzuquatschen.

Weltwoche: Vielleicht noch die Gegenfrage: Was käme bei Ihnen gut an?

Brumann: Am besten, man erzählt mir einen Witz. Aber ich werde eh nicht gerne angesprochen. Ich bin lieber in der Gruppe unterwegs, meist mit Kollegen, denn dann hab ich meine Ruhe. Ich lerne eigentlich nur jemanden kennen, wenn ich ihn über Ecken kenne. Dass jemand aktiv auf mich zukommt, versuche ich zu vermeiden.

Weltwoche: Es beginnt ja meist mit Blicken . . .

Brumann: Ja, und ich hasse es!

Weltwoche: Wann werden Blicke lästig?

Brumann: Wenn sie sehr intensiv werden – wenn er mich richtig verfolgt. Ich finde es aber schon lästig, wenn ich merke, dass mich jemand im Fokus hat. Wer nicht begreift, dass ich den Flirt null erwidere, den finde ich lästig.

Weltwoche: Welche Männer ziehen Sie an? Was finden Sie attraktiv?

Brumann: Solche mit Ausstrahlung. Mich fasziniert Charakter, nicht die Optik. Ich brauche Männlichkeit, etwas Dominantes. Ich bin eine starke Frau und brauche jemanden, der dagegenhalten kann.

Weltwoche: Was heisst: «Männlichkeit»?

Brumann: Dass er weiss, was er will. Er muss Ziele haben, mit beiden Beinen im Leben stehen. Einer, der schwächer ist als ich, ginge unter, dann bin ich zu dominant – vergiss es!

Weltwoche: Und wie finden Sie Schweizer?

Brumann: Ich hatte noch nie einen Schweizer, nur einen halben. Die meisten sind mir zu verklemmt, zu streng und zu wenig weltoffen.

Weltwoche: Von wem könnten sich Schweizer eine Scheibe abschneiden?

Brumann: Man braucht ein bisschen Italiener – wegen der Esskultur, des Romantischen und Lustigen. Dann sicher ein wenig Jugo – für die Leidenschaft, das Feuer. Und ideal wäre noch ein Stück vom Ami, dem Weltoffenen.

Weltwoche: In einer NZZ-Kolumne stand unlängst, es gebe – grob gesagt – zwei Arten von Männern: den Sexgott und den netten Typen für gute Gespräche.

Brumann: Ja, das ist so! Beides zusammen gibt es nicht, kein Mann ist wild und hält auch jeden Abend Händchen mit dir.

Weltwoche: Was bevorzugen Sie?

Brumann: Taylor geht meist auf bad boys, ich bin ja selber eher so. Ich bin jung, und meine Bedürfnisse tendieren gerade nicht in Richtung Sicherheit. Ich suche Abenteuer.

Weltwoche: Vom Sex zum Feminismus: Finden Sie, das geht zusammen? Könnten Sie, als Playmate, eine Feministin sein?

Brumann: Ich finde, man darf seinen Körper zeigen und kann trotzdem eine starke, eigenständige Frau sein.

Weltwoche: Sind Sie denn eine Feministin?

Brumann: Das ist mir ein zu starkes Wort. Ich sage immer, ich bin eine unabhängige, starke Frau. Feminismus ist mir zu extrem, zu hysterisch. Und ich finde, Feministinnen sollten, wenn sie konsequent für Gleichstellung sind, auch für die Wehrpflicht sein und sich nicht immer vom Freund einladen lassen, sondern selber bezahlen.

Weltwoche: Wenn Sie schreiben, gendern Sie?

Brumann: Nein, das muss jeder für sich selber wissen. Für mich gibt es gewisse Sachen, die sind einfach, wie sie sind – ein Mann ist ein Mann, und eine Frau ist eine Frau. Das ist so ein Thema, bei dem viele Leute überreagieren.

Weltwoche: Haben Sie das Gefühl, die Welt ist sensibler geworden?

Brumann: Ja, übertrieben! Jeder nimmt gleich alles persönlich. Zum Beispiel, wenn wir über Homosexualität sprechen: Wer homosexuell ist, nimmt es vielleicht nicht mal persönlich, aber der Typ daneben dreht komplett durch.

Weltwoche: Wie schauen Sie in die Zukunft? Fürchten Sie sich vor der Vergänglichkeit der Schönheit?

Brumann: Klar mache ich mir meine Gedanken, ich bin ja 24 und nicht mehr die Jüngste im Business. Mein Glück ist meine Genetik, ich sehe jünger aus, als ich bin. Aber am Schluss kommt es, wie es kommen muss. Ich kenne mich, ich werde wieder in etwas Cooles reinrutschen.

Weltwoche: Was wäre am coolsten?

Brumann: Schauspielerin oder Moderatorin.

Weltwoche: Zum Schluss noch ein Wort zur Schweiz: Was finden Sie an ihr gut?

Brumann: Ich schätze, dass die Schweiz so klein und heimelig ist, so ländlich, ruhig und sicher. Und ich schätze, dass Schweizer sehr anständig sind.

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